Notfallmedizin in den Niederlanden
Obschon unter den Ländern mit der besten medizinischen Versorgung weltweit, befindet sich die Niederlande, was die Notfallmedizin angeht, immer noch in einem Aufbauprozess.
Faktisch stellt die Notfallmedizin dort keinen eigenen medizinischen Bereich dar. Dennoch gilt es, den üblichen Herausforderungen des Notfalls zu begegnen.
Aus dieser Situation erklärt sich, warum die Prozessoptimierung in der Notaufnahme kein dringliches Thema ist. Dr. Terry Mulligan ist mit der Aufgabe betraut, eine Notaufnahme im University Medical Center, Utrecht, einzurichten.
"Ein Grund, warum wir keine überfüllten Notaufnahmen haben, ist, dass wir hier so vorgehen, wie in den Notaufnahmen schon vor Jahrzehnten vorgegangen wurde – d.h. den Patienten sehen, ihn aufnehmen und die eigentliche Arbeit auf der jeweiligen Station erledigen."
Dr. Mulligan ist überzeugt davon, dass Ärzte und Schwestern, die notfallmedizinisch ausgebildet werden, während ihrer Ausbildung wenig über die Organisation und Struktur einer Notaufnahme erfahren. Dafür bedarf es eines besonderen Know-hows und eines Informationsaustausches zwischen Krankenhäusern.
"Ergebnisse aus Experimenten zeigen, dass die Einbeziehung von Verwaltung, Management und Finanzabteilung wichtig sind. Dabei darf aber ein Beitrag auf übergeordneter politischer Ebene nicht außer Acht gelassen werden. Alle Ebenen müssen einbezogen werden, wenn ein System erfolgreich verbessert werden soll."
Dr. Mulligan glaubt, Notaufnahmen müssen sich darauf einstellen, die Notfalldiagnostik anzupassen, um den Herausforderungen der Notaufnahme begegnen zu können. Schnelle Veränderungen müssen der immensen Rolle, die die Notfallmedizin spielt, Rechnung tragen.
"Die Notfallmedizin wird in den kommenden Jahren immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Wo früher Erstversorgung, Infektionskrankheiten und öffentliche Gesundheit wie Immunisierung Hauptmotiv waren, eine Notaufnahme zu betreten, werden andere Gründe in den Vordergrund treten. Heute sind bereits die vier größten Todesursachen: Traumata, Krebs, Herzkreislauferkrankungen und Schlaganfälle."
Weiterhin hebt er hervor, dass in vielen Ländern die Notfallmedizin nicht die Aufmerksamkeit erhält, die sie verdient. Dabei werden wir darauf angewiesen sein, um den Herausforderungen der Zukunft begegnen zu können.