Die Prozesse sollten an die Patientenbedürfnisse angepasst werden

Überfüllte Notaufnahmen wecken den Unmut der Patienten, verursachen Stress beim Personal und stellen ein wachsendes Kostenproblem für die Gesellschaft dar.

 

Das Herlev Hospital in Dänemark sieht z.B. die Neugestaltung der Prozesse im Behandlungsablauf und ein erhöhtes Vertrauen der Ärzte in Testergebnisse als Schritt in die richtige Richtung an.

Die Verbesserung des Patientenflusses ist weltweit ein wichtiges Thema. In Dänemark beschäftigt sich die Notaufnahme des Herlev Hospital unter der Leitung der Oberärztin Inger Søndergaard seit Jahren mit dieser Problematik. Eine wichtige Erkenntnis, die ihr Team gewonnen hat:

"Krankenhäuser müssen sich von dem Gedanken verabschieden, dass der Patient, der zuerst eingeliefert wird, auch als Erster die Notaufnahme wieder verlassen muss. Wir müssen immer die individuellen Bedürfnisse der Patienten vor Augen haben. Manche Patienten profitieren davon, länger unter Beobachtung zu sein, andere müssen sofort in eine andere Abteilung verlegt werden", so Oberärztin Inger Søndergaard.

 

Behandlungspfade beschreiben den Weg des Patienten durch das Krankenhaus

Um diese Vision im Herlev Hospital umzusetzen, hat das Haus ADAPT, die adaptive Prozesstriage, etabliert. Mit dieser Methode wird bestimmt, welche Patienten von einem Arzt behandelt werden müssen und wie hoch die Dringlichkeit ist:

"Schlüsselherausforderung für Notaufnahmen ist, kranke Patienten schneller zu erkennen, Diagnosen schneller zu stellen, den richtigen Spezialisten schneller zu bestimmen und schließlich schneller die richtige Behandlung einzuleiten", sagt die Oberärztin.

Sie betont, dass ADAPT bei der Identifizierung von patientenorientierten Behandlungspfaden unterstützt; ein wichtiger Schritt zur Verbesserung des Patientenflusses. Eckpfeiler dieser Pfade sind Symptome, anhand derer sich die Patienten orientieren können, wenn sie die Notaufnahme betreten. Bei der Entwicklung eines Patientenflusspfades müssen die unterschiedlichen Krankenhausabteilungen zusammenarbeiten.

 

Weniger, aber dafür schnellere Ergebnisse

Als weiteres wichtiges Kriterium zur Verbesserung des Patientenflusses nennt das Herlev Hospital eine Änderung in der ärztlichen Vorgehensweise: Früher wurden erste einmal eine Reihe Bluttests und Röntgenbilder angefordert, bevor die Entscheidung für eine Behandlung fiel. Dadurch erhöhte sich die Wartezeit der Patienten. Oft verkompliziert die Vielzahl von Testergebnissen die Entscheidungsfindung eher als dass sie sie erleichtern:

"Um eine Diagnosestellung zu beschleunigen, müssen Ärzte ihrer klinischen Urteilskraft vertrauen. Sie müssen also mehr Vertrauen in die erste Antwort entwickeln, die sie von einem Test erhalten, anstatt ein zweites und vielleicht ein drittes Testergebnis anzufordern. Oberärzte sollten Vorgehensweisen bestimmen, an denen sich neue Kollegen orientieren können. Auch durch die Einführung der Notfallmedizin in Europa werden Verbesserungen einhergehen, da speziell ausgebildete Fachärzte in der Lage sind, aufgrund weniger Indikatoren schnelle Entscheidungen zu treffen", sagt Inger Søndergaard.

Entscheidungen aufgrund weniger Parameter machen die Blutgasanalyse nicht überflüssig. Im Gegenteil. Vorausgesetzt, sie liefert schnelle Ergebnisse, wird die Blutgasanalyse weiterhin eine wichtige Rolle in der Notaufnahme spielen:

"Um den Patientenfluss in der Notaufnahme zu verbessern, muss eine Point-of-Care Lösung direkt vor Ort angesiedelt sein. So stehen Testergebnisse sofort zur Verfügung", betont sie.